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Geografie

Natur- und Kulturlandschaftstypen

Die Val Müstair verbindet das Engadin mit dem Südtirol. Das West – Osttal senkt sich stufenweise von der Ofenpasshöhe (2149 m ü. M.) über Tschierv und Fuldera, dann über Valchava und Sta. Maria nach Müstair (1247 m ü. M.) und auf italienischem Boden weiter über Taufers nach Glurns hinunter. Der Süden der Val Müstair grenzt sich durch eine Bergkette mit bis zu 3000 m hohen Gipfeln gegen Italien ab, wobei die Gipfelhöhe nach Osten kontinuierlich etwas abnimmt. Der Piz Chavalatsch, der östlichste Punkt der Schweiz, ist 2763 m hoch. Eine kontinentale Wasserscheide liegt zwischen dem Val Vau und dem Val Mora. Während der Rom (Einzugsgebiet 130.6 km2) das Val Müstair über die Etsch ins Adriatische Meer entwässert, fliesst das Aua da Val Mora (68.0 km2) via Spöl, Inn und Donau ins Schwarze Meer.

Die Val Müstair nahm geschichtlich mehrmals eine handelspolitische und strategische Schlüsselstellung ein. Die geografische Lage südlich der Alpen in Kombination mit den guten Passwegen vom Südtirol ins Unterengadin (La Cruschetta, Ofenpass), nach dem Veltlin (Umbrailpass und Passo di Fraele) und ins Oberengadin (Val Vau – Val Mora – Fraele – Livigno) hatte in historischen Zeiten eine grosse wirtschaftliche, politische und strategische Bedeutung.

  Lai da Rims  
  Lai da Rims  

In geologischer Hinsicht liegt die Val Müstair im ostalpinen Deckensystem und ist in die altkristalline Scarl-Decke eingelassen. Eine starke Aufsplittung in mehrere Kristallin- und Sedimentspäne sowie ein komplizierter Faltungsablauf mit ungewöhnlichen west- und sogar südgerichteten Überschiebungen machen die Region nicht leicht verständlich. Grosse Pakete der Sedimente sind schiefrig, zermürbt und daher leicht ab tragbar. Es erstaunt daher nicht, dass die Seitenbäche viel Material abführen und in der Sohle der Val Müstair in Form von Schuttkegeln deponieren. Diese decken den Talboden fast vollständig zu und stellen für die Landwirtschaft günstige Lagen dar. Die periodischen Murgang-Ereignisse der 13 ausgesprochenen Wildbäche des Val Müstair suchen die Dörfer seit der Besiedlung der Talschaft immer wieder heim. Die Ausführung und Instandhaltung von Schutzbauten sind Daueraufgaben.

Einen reichen glazialen Formenschatz präsentiert der auf 2400 m ü. M. gelegene Karsee Lai da Rims mit den zahlreichen Rundhöckern und dem abgeschliffenen Gletscherriegel.

Klimatisch liegt die Val Müstair im Bereich der kontinental geprägten inneralpinen Trockenzone mit leichtem mediterranem Einfluss. Das Klima ist mild und regenarm (durchschnittlich ca. 5.6° C Jahrestemperatur und 800 mm Jahresniederschläge auf 1400 m ü. M.); noch geringer sind die Niederschläge im Alpenraum nur im benachbarten Vinschgau, im mittleren Wallis und im Aostatal. Das Klimaregime begünstigt das Vegetationswachstum in der  Val Müstair, indem die Höhenstufen gegenüber dem Alpennord- und Südhang deutlich gehoben sind (Waldgrenze auf etwa 2300 m ü. M.; Obst bis 1470, Getreide bis 1900 m ü. M.).

Die landwirtschaftlich genutzten Talterrassen liegen auf 1200 bis 2000 m ü M. Die künstliche Bewässerung der Böden mit Kanälen, ähnlich wie im Wallis, ist sehr alt und dürfte entstehungsgeschichtlich auf die Urbanisierung der Val Müstair zurückgehen. Mit der Bewässerung sind zahlreiche noch heute auffindbare romanische Flurnamen verbunden, die sich in der Terminologie stark von derjenigen des Unterengadins unterscheiden. Heute sind die Bewässerungskanäle durch ein modernes Hydrantensystem ersetzt.

  

Charakteristische Nutzungen und Bewirtschaftungsformen

Die Val Müstair setzt sich aus einem Mosaik unterschiedlichster Lebensraumtypen zusammen, eine wichtige Voraussetzung für eine vielfältige Pflanzen- und TierweltGletschervorfelder, Moore, Auen, Trockenstandorte, Mager- und Fettwiesen, Wald und karges Gebirge, jeder Lebensraum beherbergt seine speziellen Bewohner. Wo unterschiedliche Standorte aufeinander treffen, bilden sich besonders artenreiche Grenzstrukturen.

Neben Land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen gibt es grossflächige Landstriche, die sich selbst überlassen sind und nur sporadisch vom Menschen aufgesucht werden. Eine ausgedehnte Landschaftsschutzzone soll sicherstellen, dass schützenswerte Gebiete nicht zweckentfremdet werden. Die traditionelle Kulturlandschaft liegt jedoch nicht in dieser Zone. Durch die Melioration und die Bewässerung wurden für die Val Müstair typische und besonders artenreiche Trockenstandorte zurückgedrängt.

Mit dem Ofenpass bildet das Münstertal eine der wenigen bewaldeten Verbindungen zwischen den Süd- und Zentralalpen. Für die Vernetzung von Lebensräumen und den damit verbundenen Genfluss ist dies von grossem Wert, insbesondere auch für die Entwicklung der Lebensgemeinschaften im Schweizerischen Nationalpark.