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zur Geschichte des Münstertal  

Aufgrund der neuesten archäologischen Grabungen kann angenommen werden, dass das Münstertal - als Seitental der Etsch - bereits in der Bronzezeit vom Vinschgau her besiedelt worden ist. Die Urbewohner gehörten zum Volksstamm der Räter. Vor rund 2000 Jahren sind die Römer ins Land gezogen. Bald vermischte sich rätisches Kultur­gut mit römischem. Spuren dieser beiden Volksgruppen findet man heute noch in vielen Lokalnamen, Volksbräuchen und vor allem in der rätoromanischen Umgangssprache.

Ins eigentliche Licht der Geschichte trat das Münstertal erst mit der Gründung des Klos­ters St. Johann in Müstair. Diese bedeutende Klosteranlage wurde zur Regierungszeit Karls des Grossen erbaut. Von unermesslichem Wert sind die guterhaltenen karolingi­schen und romanischen Fresken in der Klosterkirche.
(rot=Bronzezeit, grün=Römerzeit, blau=Frühmittelalter)

Die urkundlich belegte tausendjährige Geschichte des Münstertals ist zur Hauptsache geprägt worden durch:

  • die besondere Verkehrslage zwischen Tirol / Engadin und Tirol / Veltlin / Lombardei,
  • die Auseinandersetzungen und Machtkämpfe in Glaubensfragen.

Die bedeutenden Verkehrsverbindungen brachten dem Tal wirtschaftlichen Aufschwung und Wohlstand, versetzten es aber immer wieder auch in Not und Elend. Das Münstertal war oft Kampfplatz fremder Truppen, worunter die einheimische Bevölkerung schwer zu leiden hatte.

Kirchlich gehörten ursprünglich alle Dörfer des Münstertals zum Kloster Müstair. Der oberste Grundherr war aber der Bischof von Chur, dessen Grundbesitz bis in die Gegend von Meran reichte.

Im Mittelalter wurden im Tal und im benachbarten Vinschgau harte Machtkämpfe zwischen tiroler Adeligen und dem Bischof von Chur ausgetragen.

Im 14. Jahrhundert trat Bischof Peter Geyto immer mehr Grundrechte an Österreich ab. Dagegen reagierten die Leute in allen Talschaften des Bistums und gründeten 1367 zur Abwendung der drohenden Gefahr den Gotteshausbund. Das Münstertal bildete zu­sammen mit den Gotteshausleuten im Vinschgau das 11. Hochgericht.

1424 wurde in Trun der Graue oder Obere Bund und 1436 in Davos der Zehngerichtenbund gegründet.

Grauer Bund
1424

Gotteshausbund
1367

Zehngerichtenbund
1436

Kanton Graubünden
1803

 

Im Jahre 1499 rächten sich die Österreicher im Münstertal und im Engadin für die bluti­ge Niederlage an der Calven und für die unrühmlichen Plünderungen und Mordtaten der bündnerischen Kriegshorden im Vinschgau.

Zur Zeit des Dreissigjährigen Krieges drang 1621 der österreichische Heerführer Baldiron ins Münstertal ein, erbaute in Sta. Maria eine Festung und führte von hier aus seine siegreichen Truppen ins Engadin und eroberte schliesslich den Freistaat der Drei Bünde. Im Münstertal wurde vor allem die protestantische Bevölkerung verfolgt und zur Rückkehr zum katholischen Glauben gezwungen. Die Befreiung erfolgte erst 1635 mit dem Einmarsch der Franzosen.

Die Zeit der Religionswirren spaltete die Talbevölkerung in zwei Gruppen, die sich hart­näckig bekämpften. Es kam immer wieder zu unschönen und unwürdigen Taten, die Unfrieden stifteten.

1728 verkaufte der Bischof von Chur seine Rechte im Münstertal an Österreich. Die Münstertaler und Bündner wehrten sich gegen dieses eigenmächtige Vorgehen des Bischofs und forderten die Rückerstattung der Talschaft. Nach Bezahlung einer hohen Geldsumme konnten sich die Münstertaler von Österreich befreien. Die Loskaufsurkunde wurde 1762 durch Kaiserin Maria Theresia ausgestellt.

Schlimm traf es das Münstertal wiederum während des Zweiten Koalitionskrieges, als sich 1799 Franzosen und Österreicher auf Münstertaler Boden bekämpften. Die frem­den Soldaten hatten Not gelitten und "benahmen sich wie die wilden Bestien". 1803 wurde auf Vermittlung Napoleons der neue Staatenbund gegründet. Graubünden wur­de dadurch ein Kanton der Eidgenossenschaft.

Seit dem Untergang der Franzosenherrschaft blieb das Münstertal von kriegerischen Gräueltaten verschont. Es musste aber zusehen, wie die Nachbarn im Vinschgau und Veltlin in beiden Weltkriegen schwere Zeiten durchstehen mussten. Besonders im Ersten Weltkrieg wurde es für das Münstertal gefährlich, als sich die beiden Kriegsparteien auf dem nahen Ortlergebiet harte Kämpfe an der "Front in Fels und Eis" lieferten.
Claudio Gustin, Archivar, Sta. Maria.